Belgiens Stromverbrauch wurde in den zwölf Monaten von Oktober 2025 bis September 2026 zu knapp der Hälfte durch kohlenstoffarme Stromerzeugung gedeckt. Dazu gehörten Wind mit rund 17 %, Solar mit 14 %, Kernenergie mit 12 %, Biokraftstoffe mit knapp 4 % und Wasserkraft mit knapp 2 %. Fossile Brennstoffe lieferten rund 24 %, überwiegend Gas mit 20 % sowie Kohle mit gut 2 %. Netto-Importe deckten weitere 27 % des Stromverbrauchs; ihre Zusammensetzung nach kohlenstoffarmen und fossilen Quellen geht aus diesen Daten nicht hervor. Damit bleibt erhebliches Potenzial, fossilen Strom und die damit verbundenen Klimagasemissionen und Luftschadstoffe durch mehr heimische saubere Stromerzeugung zu ersetzen.
Wächst der Strom in Belgien?
Gemessen an den bisherigen Höchstständen wächst Belgiens Stromversorgung pro Kopf derzeit nicht: Der Stromverbrauch lag im jüngsten Datenstand für 2026 bei rund 6.800 kWh pro Person, gegenüber knapp 9.100 kWh im Rekordjahr 2006. Das entspricht einem Rückgang um rund 2.300 kWh oder 25 %. Noch besorgniserregender ist der Abstand bei der kohlenstoffarmen Stromerzeugung: Mit rund 3.300 kWh pro Person lag sie etwa 2.800 kWh beziehungsweise 46 % unter dem Rekord von rund 6.100 kWh aus dem Jahr 2021. Diese Vergleiche belegen zwar keinen durchgehenden jährlichen Rückgang, zeigen aber deutlich, wie viel saubere Stromerzeugung gegenüber früheren Höchstständen fehlt. Für die Elektrifizierung und den zusätzlichen Strombedarf durch KI ist eine erneute Ausweitung besonders wichtig.
Vorschläge
Belgien sollte seine bereits bedeutenden Säulen Kernenergie, Wind und Solar gezielt ausbauen. Bestehende Kernkraftkapazitäten stärker zu nutzen und zusätzliche Anlagen zu errichten, könnte ebenso zur sauberen Stromversorgung beitragen wie mehr Windparks und Solaranlagen auf Dächern und geeigneten Freiflächen. Besonders relevante Vorbilder sind benachbarte und europäische Regionen: Frankreich erzeugt rund 67 % seines Stroms aus Kernenergie, die Slowakei etwa 66 %. Dänemark erreicht mit Wind rund 59 %, Deutschland etwa 31 % und das Vereinigte Königreich 30 %. Beim Solarstrom zeigen Nordmazedonien mit 40 % und der US-Bundesstaat Kalifornien mit 31 %, welche hohen Anteile möglich sind. Belgien kann sich an diesen Erfolgen orientieren und den Ausbau mit leistungsfähigen Netzen, Speichern und flexibler Stromnachfrage verbinden.
Geschichte
Historisch wurde Belgiens kohlenstoffarme Stromerzeugung vor allem durch kräftige Zuwächse der Kernenergie geprägt. In den Jahren 1975 und 1976 stieg deren jährliche Erzeugung zusammen um knapp 10 TWh; von 1983 bis 1986 kamen weitere knapp 24 TWh hinzu. Auch 1997 gab es einen deutlichen Zuwachs von rund 4 TWh. Seit den 2010er-Jahren zeigen die Daten dagegen starke Schwankungen: Auf Rückgänge von insgesamt rund 24 TWh in den Jahren 2012, 2014 und 2015 folgte 2016 ein kräftiger Wiederanstieg um rund 17 TWh. Weitere deutliche Erholungen gab es 2019 mit knapp 15 TWh und 2021 mit gut 15 TWh. Besonders bedauerlich ist, dass diese Zugewinne nicht dauerhaft gesichert wurden: Die ausgewiesenen Rückgänge 2022, 2023, 2025 und 2026 summieren sich auf rund 37 TWh. Der erfreuliche Windzuwachs von rund 3 TWh im Jahr 2023 unterstreicht die Chancen zusätzlicher sauberer Erzeugung. Insgesamt sollte Belgien wieder an die früheren Ausbauphasen anknüpfen und Kernenergie, Wind und Solar gemeinsam stärken.










