Im Jahr 2022 stammten rund 71 % des in der Ukraine verbrauchten Stroms aus kohlenstoffarmen Quellen. Kernenergie lieferte mit knapp 55 % mehr als die Hälfte, gefolgt von Wasserkraft mit rund 10 %, Solar mit knapp 5 % und Wind mit gut 1 %. Fossile Brennstoffe machten dagegen rund 28 % aus: etwa 23 % entfielen auf Kohle und 5 % auf Gas. Damit war die Stromversorgung überwiegend kohlenstoffarm; dennoch verursachte der verbleibende fossile Anteil weiterhin klimaschädliche Emissionen und Luftverschmutzung.
Wächst der Strom in Ukraine?
Gemessen am Stromverbrauch pro Person zeigen die Zahlen kein Wachstum, sondern einen deutlichen Rückgang gegenüber dem historischen Höchststand. Im Jahr 2022 lag der Verbrauch bei rund 2.770 kWh pro Person, gegenüber etwa 5.750 kWh im Rekordjahr 1988 – ein Minus von knapp 2.980 kWh beziehungsweise rund 52 %. Auch die kohlenstoffarme Stromerzeugung sank: Sie erreichte 2022 etwa 1.970 kWh pro Person und lag damit rund 470 kWh beziehungsweise 19 % unter dem Rekord von 2021. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, denn Elektrifizierung und neue Anwendungen wie KI benötigen künftig mehr sauberen Strom. Der Vergleich mit dem historischen Rekord allein beschreibt allerdings nicht den gesamten Verlauf der vergangenen Jahre.
Vorschläge
Um ihre kohlenstoffarme Stromerzeugung zu steigern, sollte die Ukraine ihre bereits starke Kernenergie ausbauen und durch zusätzliche Solar- und Windanlagen ergänzen. Als relevante europäische Vorbilder zeigen die Slowakei mit rund 66 % und Frankreich mit rund 67 % Kernenergieanteil an der jeweiligen Stromerzeugung, welchen großen Beitrag diese Technologie leisten kann. Für Solar bieten nahe gelegene Regionen hilfreiche Orientierung: Ungarn erzeugt damit etwa 22 % seines Stroms, Bulgarien rund 19 %. Beim Wind zeigen Litauen mit rund 39 % und Polen mit etwa 14 % weitere Ausbauperspektiven. Diese Anteile sind keine unmittelbar übertragbaren Ziele, verdeutlichen aber das Potenzial einer Kombination aus Kernenergie, Solar und Wind, unterstützt durch leistungsfähige Stromnetze.
Geschichte
Die Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung in der Ukraine ist von kräftigen Zuwächsen, aber auch erheblichen Rückschlägen geprägt. Nach einem Rückgang der Kernenergie um 10,6 TWh im Jahr 1986 folgten 1987 und 1988 Zuwächse von zusammen rund 29 TWh; auf ein Minus 1989 folgte 1990 erneut ein deutlicher Anstieg. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren wechselten sich weitere Veränderungen ab: Die Kernenergie sank 1994 um 6,4 TWh, wuchs jedoch 1996, 2000 und 2004 deutlich; die Wasserkraft legte 1998 um 5,9 TWh zu. Von 2009 bis 2020 unterbrachen wiederholte Kernenergierückgänge von jeweils rund 7 TWh die Erholung, während 2010, 2014 und 2017 Zuwächse brachten; 2014 verlor zudem die Wasserkraft 5,2 TWh. Besonders alarmierend war der Einbruch der Kernenergie um 24,1 TWh im Jahr 2022, nachdem sie 2021 noch um 10 TWh gewachsen war. Solche massiven Verluste sauberer Stromerzeugung sind ein schwerer Rückschlag: Ihre Wiederherstellung und ihr weiterer Ausbau sollten hohe Priorität haben.
















