Von Oktober 2025 bis September 2026 stammten in Estland rund 42 % des verbrauchten Stroms aus kohlenstoffarmer Erzeugung, während Netto-Importe etwa 41 % deckten. Fossile Brennstoffe lieferten die übrigen knapp 18 %. Bei der heimischen sauberen Stromerzeugung entfielen rund 15 % des Stromverbrauchs auf Wind, 14 % auf Solar und 12 % auf Biokraftstoffe. Öl und Kohle trugen etwa 2 % beziehungsweise 1 % bei und sind Teil des fossilen Anteils. Die Netto-Importe lassen sich anhand dieser Angaben nicht eindeutig der kohlenstoffarmen oder fossilen Erzeugung zuordnen.
Wächst der Strom in Estland?
Ein Wachstum gegenüber früheren Höchstständen ist derzeit nicht erkennbar: Der Stromverbrauch lag 2026 bei rund 6.160 kWh pro Person und damit etwa 5.530 kWh beziehungsweise 47 % unter dem Rekord von 1986 mit 11.690 kWh. Auch die kohlenstoffarme Stromerzeugung blieb mit rund 2.570 kWh pro Person knapp unter ihrem bisherigen Höchststand von 2.620 kWh aus dem Jahr 2025. Dieser Rückgang um 54 kWh entspricht etwa 2 %. Der Vergleich mit dem historischen Verbrauchsrekord allein zeigt allerdings nicht, ob der Gesamtverbrauch zuletzt gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Der jüngste Rückgang der sauberen Erzeugung ist bedauerlich, denn Elektrifizierung und wachsende KI-Anwendungen benötigen künftig mehr kohlenstoffarmen Strom.
Vorschläge
Estland sollte seine bereits bedeutende Wind- und Solarstromerzeugung weiter ausbauen und zugleich den Einstieg in die Kernenergie prüfen. Für Wind bieten besonders die regional nahen Vorbilder Litauen und Dänemark Orientierung: Dort liefert Wind rund 41 % beziehungsweise 59 % des Stroms. Beim Solarstrom zeigen Nordmazedonien mit 40 % und der US-Bundesstaat Kalifornien mit 31 %, welchen erheblichen Beitrag diese Technologie leisten kann; konkrete Ausbaukonzepte sollten dabei an Estlands Standortbedingungen angepasst werden. Bei der Kernenergie sind vor allem Finnland mit einem Anteil von 37 % und Schweden mit 25 % relevante Nachbarn. Ihre Erfahrungen könnten Estland helfen, Kernenergie als weitere Säule einer sauberen Stromversorgung aufzubauen. Mehr Wind, Solar und Kernenergie könnten fossile Stromerzeugung und die damit verbundenen Klimabelastungen und Luftschadstoffe zurückdrängen.
* 12M = Letzte 12 Monate (Okt. 2025 – Sept. 2026) — ein gleitender 12-Monats-Zeitraum, kein Kalenderjahr.
Geschichte
Die Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung Estlands wurde zunächst vor allem durch Biokraftstoffe geprägt: 2009 und 2010 wuchs deren Erzeugung gegenüber dem jeweiligen Vorjahr um 0,3 und 0,4 TWh. Nach weiteren 0,2 TWh im Jahr 2012 folgte 2013 ein Rückgang um 0,3 TWh. Von 2016 bis 2018 kamen bei Biokraftstoffen insgesamt wieder 0,5 TWh hinzu; beim Wind glichen sich ein Rückgang 2016 und ein Zuwachs 2017 von jeweils 0,1 TWh aus. Ab 2020 wurde der Aufschwung breiter: In diesem Jahr legten Biokraftstoffe um 0,3 TWh sowie Solar und Wind um jeweils 0,2 TWh zu. Während Biokraftstoffe 2022 und 2023 zusammen 0,3 TWh verloren, gewann Solar im selben Zeitraum 0,3 TWh hinzu. Besonders erfreulich war der anschließende Ausbau: 2024 stiegen Wind und Solar jeweils um 0,4 TWh, 2025 folgten weitere 0,3 TWh Windstrom und 0,2 TWh Solarstrom.
* 12M = Letzte 12 Monate (Okt. 2025 – Sept. 2026) — ein gleitender 12-Monats-Zeitraum, kein Kalenderjahr.
Stromimporte und -exporte
Handelsbilanz
* 12M = Letzte 12 Monate (Okt. 2025 – Sept. 2026) — ein gleitender 12-Monats-Zeitraum, kein Kalenderjahr.













