Namibias Stromverbrauch wurde 2023 zu fast 60 % durch Netto-Importe gedeckt. Rund 40 % entfielen auf heimische kohlenstoffarme Stromerzeugung, insbesondere Wasserkraft mit etwa 28 % und Solar mit rund 11 %. Fossile Brennstoffe machten bei der heimischen Erzeugung weniger als 1 % des gesamten Stromverbrauchs aus. Da die Zusammensetzung der Stromimporte nicht angegeben ist, lässt sich deren Anteil an kohlenstoffarmem und fossilem Strom nicht bestimmen.
Wächst der Strom in Namibia?
Gemessen an den bisherigen Höchstständen ist Namibias Stromverbrauch pro Kopf nicht gewachsen: 2023 lag er bei rund 1.570 kWh und damit etwa 310 kWh beziehungsweise 16 % unter dem Rekord von 2014 mit rund 1.870 kWh. Auch die heimische kohlenstoffarme Stromerzeugung blieb deutlich hinter ihrem Höchststand zurück. Sie erreichte zuletzt rund 624 kWh pro Kopf, gegenüber 934 kWh im Rekordjahr 1991 – ein Rückgang um rund ein Drittel. Dieser Abstand ist besorgniserregend, denn für die Elektrifizierung und neue Anwendungen wird mehr sauberer Strom benötigt. Ob der Verbrauch zuletzt gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, zeigen diese Vergleichswerte allerdings nicht.
Vorschläge
Namibia sollte insbesondere seine bereits bedeutende Solarstromerzeugung ausbauen. Orientierung bieten sonnenreiche Regionen wie Chile, wo Solar rund 24 % der Stromerzeugung liefert, und der US-Bundesstaat Nevada mit 35 %. Ergänzend lohnt sich die Entwicklung geeigneter Windstandorte: Marokko erzeugt rund 20 % seines Stroms aus Wind, Kenia etwa 12 %. Auch Kernenergie sollte Namibia als zusätzliche kohlenstoffarme Stromquelle prüfen, gegebenenfalls im Rahmen regionaler Zusammenarbeit. Die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen mit einem Kernenergieanteil von rund 20 %, wie diese Technologie in einer sonnenreichen Region zur Stromversorgung beitragen kann. Ein Ausbau von Solar, Wind und Kernenergie könnte die heimische saubere Stromerzeugung stärken und mehr Strom für künftiges Wachstum bereitstellen.
Geschichte
Die Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung Namibias ist in den vorliegenden Daten vor allem durch Schwankungen der Wasserkraft geprägt. Mitte bis Ende der 1990er-Jahre wechselten Rückgänge von 0,2 bis 0,3 TWh mit Zuwächsen von bis zu 0,5 TWh. In den frühen 2000er-Jahren folgten kleinere Auf- und Abwärtsbewegungen sowie 2005 ein Plus von 0,3 TWh. Auch die 2010er-Jahre verliefen wechselhaft: Mehrere Zuwächse um jeweils 0,2 TWh standen Rückgängen gegenüber, darunter 0,4 TWh im Jahr 2018 und weitere 0,2 TWh 2019. Erfreulich war 2019 der zusätzliche Solarstrom von 0,3 TWh. Die Wasserkraft legte 2020 kräftig um 0,6 TWh zu, verlor 2021 und 2022 jedoch zusammen 0,7 TWh. Der erneute Anstieg um 0,5 TWh im Jahr 2023 war eine willkommene Erholung und unterstreicht zugleich den Wert zusätzlicher kohlenstoffarmer Erzeugungsquellen.













