Im Jahr 2022 stammten in Réunion rund zwei Drittel des verbrauchten Stroms aus fossilen Brennstoffen und gut ein Drittel aus kohlenstoffarmen Quellen. Kohle allein machte knapp 28 % des Strommixes aus. Unter den kohlenstoffarmen Quellen war Wasserkraft mit knapp 19 % am stärksten vertreten, gefolgt von Solar mit 8 % und Biokraftstoffen mit gut 7 %. Damit blieb die Stromversorgung überwiegend fossil geprägt. Mehr sauberer Strom könnte diese Abhängigkeit verringern und die mit fossilen Brennstoffen verbundenen Klimabelastungen und Luftverschmutzung reduzieren.
Wächst der Strom in Réunion?
Beim Stromverbrauch pro Kopf ist bislang kein neuer Höchststand erreicht: 2022 lag er bei rund 3.870 kWh und damit etwa 530 kWh beziehungsweise 12 % unter dem Rekord von 4.400 kWh im Jahr 2020. Erfreulicher entwickelte sich die kohlenstoffarme Stromerzeugung: Mit rund 1.320 kWh pro Kopf übertraf sie 2022 den bisherigen Rekord von rund 1.260 kWh aus dem Jahr 2013 um knapp 60 kWh, also etwa 5 %. Sauberer Strom wächst damit über seinen früheren Höchststand hinaus, während der gesamte Pro-Kopf-Stromverbrauch deutlich darunter bleibt. Für die künftige Elektrifizierung und zusätzlichen Strombedarf, etwa durch KI-Anwendungen, wäre ein stärkerer Ausbau der sauberen Stromversorgung wünschenswert.
Vorschläge
Réunion sollte vor allem Solar deutlich ausbauen und dabei von anderen sonnigen Inselregionen lernen: Im US-Bundesstaat Hawaii sowie auf Zypern liefert Solar jeweils rund 23 % der Stromerzeugung. Auch die US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien zeigen mit etwa 35 % beziehungsweise 31 %, wie groß der Beitrag von Solar werden kann. Ergänzend lohnt sich die Prüfung geeigneter Windstandorte; die Inselregion Cabo Verde erzeugt beispielsweise 14 % ihres Stroms aus Wind. Auch Kernenergie sollte als mögliche zusätzliche kohlenstoffarme Stromquelle geprüft werden. Frankreich liefert mit einem Kernenergieanteil von rund 67 % ein besonders relevantes Beispiel und verfügt über Erfahrung, auf die Réunion bei der Prüfung geeigneter Lösungen zurückgreifen könnte. Ein Ausbau von Solar, ergänzt durch Wind und die Prüfung von Kernenergie, könnte die saubere Stromversorgung stärken und Raum für wachsenden Strombedarf schaffen.
Geschichte
Die Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung in Réunion ist vor allem durch Schwankungen der Wasserkraft geprägt. In den 2000er-Jahren wechselten sich Zuwächse und Rückgänge von jeweils etwa 0,1 TWh ab; 2004 kamen zudem 0,1 TWh aus Biokraftstoffen hinzu. Solar legte 2010 und 2011 jeweils um 0,1 TWh zu. Bei der Wasserkraft folgten auf einen Rückgang 2011 zwei Zuwächse 2012 und 2013, anschließend ein Rückgang 2014 und eine Erholung 2015, jeweils um 0,1 TWh. Der Wasserkraftzuwachs von 0,2 TWh im Jahr 2018 wurde 2019 durch einen ebenso großen Rückgang wieder aufgehoben; 2018 sank außerdem die Stromerzeugung aus Biokraftstoffen um 0,1 TWh. Nach einem weiteren Wasserkraftrückgang von 0,1 TWh im Jahr 2021 brachte 2022 mit einem Plus von 0,3 TWh einen erfreulichen Aufschwung. Ein kontinuierlicher Ausbau zusätzlicher sauberer Stromquellen würde helfen, diesen Fortschritt zu verstetigen.
















