Im Jahr 2023 lag der Stromverbrauch im Jemen bei lediglich 78 kWh pro Person – etwa einem Fünfzigstel des weltweiten Durchschnitts von 3.794 kWh. Fossile Brennstoffe dominierten die Stromversorgung mit einer Erzeugung von 2,55 TWh. Kohlenstoffarmer Strom erreichte rund 13 kWh pro Person und machte damit ungefähr ein Sechstel des gesamten Stromverbrauchs aus; etwa fünf Sechstel entfielen auf fossilen Strom. Eine so geringe Stromversorgung kann den Betrieb von Krankenhäusern, Schulen, Wasserversorgung und Unternehmen erheblich einschränken und die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Der Ausbau sauberer Stromerzeugung würde diese Versorgung verbessern und zugleich die durch fossile Brennstoffe verursachten Klimabelastungen und Luftverschmutzung verringern.
Wächst der Strom in Jemen?
Von einem Wachstum der Stromversorgung kann derzeit nicht gesprochen werden: Der Stromverbrauch pro Person lag 2023 um 212 kWh unter dem bisherigen Höchststand von 290 kWh im Jahr 2013. Das entspricht einem Rückgang um fast drei Viertel und ist angesichts des großen zusätzlichen Strombedarfs besorgniserregend. Auch die kohlenstoffarme Stromerzeugung pro Person stagnierte praktisch: Mit rund 13 kWh blieb sie nahe dem Rekord von rund 14 kWh aus dem Jahr 2019. Die zusätzlich angegebene Veränderung von 0 kWh deutet auf Rundung der zugrunde liegenden Werte hin; ein neuer Wachstumsschub ist jedenfalls nicht erkennbar.
Vorschläge
Der Jemen sollte vor allem seine bereits vorhandene Solarstromerzeugung deutlich ausbauen – sowohl durch Anlagen auf Gebäuden und lokale Stromnetze als auch durch größere Solarparks. Speicher und stärkere Stromnetze können dabei helfen, mehr sauberen Strom zuverlässig verfügbar zu machen. Besonders relevante Vorbilder sind die Vereinigten Arabischen Emirate mit rund 14 TWh Solarstrom und 32 TWh Strom aus Kernenergie sowie Pakistan mit rund 41 TWh Solarstrom und 22 TWh Kernenergiestrom. Diese Beispiele zeigen, wie Solarenergie und Kernenergie gemeinsam eine kohlenstoffarme Stromversorgung stärken können. Der Jemen sollte deshalb neben einem schnellen Solarausbau auch den langfristigen Aufbau von Kernenergie prüfen und dafür Fachkräfte, Institutionen und internationale Kooperationen entwickeln. Für geeignete Standorte kann ergänzend Windkraft erschlossen werden; die Türkei erzeugt beispielsweise rund 42 TWh Windstrom.
Geschichte
Die Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung im Jemen ist in den vorliegenden Daten vor allem eine Geschichte weniger Zuwächse bei Solarstrom. Von 2008 bis 2014 wurden keine messbaren jährlichen Veränderungen ausgewiesen. Im Jahr 2015 stieg die Solarstromerzeugung um rund 0,1 TWh, gefolgt von zwei Jahren ohne ausgewiesenen Zuwachs. Der größte Fortschritt kam 2018 mit einem weiteren Plus von rund 0,3 TWh. Von 2019 bis 2023 blieb die jährliche Veränderung wiederum bei 0 TWh. Die beiden Wachstumsschritte waren erfreulich, doch die anschließende Stagnation unterstreicht, wie dringend der Jemen eine neue Ausbauphase für saubere Stromerzeugung benötigt.
















