Guineas Stromverbrauch lag 2023 bei insgesamt rund 4 TWh. Davon stammten etwa drei Viertel aus kohlenstoffarmen Quellen: 3,03 TWh, nahezu vollständig aus Wasserkraft mit 3 TWh. Fossile Brennstoffe lieferten mit rund 1 TWh das verbleibende Viertel. Trotz des hohen Anteils sauberen Stroms war die verfügbare Strommenge sehr niedrig: Der Verbrauch von 281 kWh pro Person entsprach nur etwa 7 % des weltweiten Durchschnitts von 3.794 kWh pro Person. Eine so geringe Stromversorgung kann die wirtschaftliche Entwicklung, den Betrieb von Schulen und Krankenhäusern sowie den Zugang zu Kühlung, digitalen Diensten und produktiven Arbeitsplätzen einschränken.
Wächst der Strom in Guinea?
Zuletzt ist die Stromversorgung pro Person in Guinea nicht weiter gewachsen. Der Verbrauch lag 2023 mit 281 kWh pro Person leicht unter dem bisherigen Rekord von 285 kWh im Jahr 2022. Die angegebenen, gerundeten Daten weisen einen Rückgang gegenüber dem Rekord um rund 3 kWh aus. Auch die kohlenstoffarme Stromerzeugung pro Person sank leicht: von ihrem Höchststand von 212 kWh im Jahr 2022 auf 210 kWh im Jahr 2023. Diese Stagnation ist angesichts des ohnehin niedrigen Versorgungsniveaus besorgniserregend. Guinea braucht deutlich mehr sauberen Strom, um den Zugang zu Elektrizität zu verbessern und zusätzlichen Bedarf durch Elektrifizierung und Digitalisierung zu decken.
Vorschläge
Guinea sollte seine Wasserkraftbasis durch einen zügigen Ausbau der Solarstromerzeugung ergänzen, geeignete Windstandorte erschließen und den Aufbau von Kernenergie langfristig prüfen. Als afrikanisches Vergleichsbeispiel ist Südafrika relevant: Dort liefern Solar rund 20 TWh, Wind und Kernenergie jeweils etwa 12 TWh Strom. Brasilien zeigt mit etwa 85 TWh Solarstrom und 111 TWh Windstrom, wie sich diese Technologien in einem Land mit bedeutender Wasserkraft ergänzen können. Für einen breiten Solarausbau bietet auch Indien mit rund 192 TWh wertvolle Orientierung. Beim Aufbau einer verlässlichen kohlenstoffarmen Versorgung kann Guinea außerdem von Frankreich lernen, dessen Kernenergie etwa 379 TWh erzeugt. Entscheidend sind neben neuen Kraftwerken leistungsfähige Stromnetze, Fachkräfte und geeignete Finanzierung. Mehr Solar- und Kernstrom würde die Versorgung ausweiten und zugleich helfen, Klimabelastung und Luftverschmutzung durch fossile Stromerzeugung zu begrenzen.
Geschichte
Die dokumentierte Geschichte der kohlenstoffarmen Stromerzeugung Guineas wird von Wasserkraft geprägt. In den frühen 1980er-Jahren und gegen Ende der 1990er-Jahre gab es zunächst kleine Zuwächse von jeweils etwa 0,1 TWh. In den 2000er-Jahren wechselten moderate Zuwächse und Rückgänge einander ab, darunter ein Minus von 0,2 TWh im Jahr 2003 und eine gleich große Erholung 2004. Auch Anfang der 2010er-Jahre blieb die Entwicklung wechselhaft, bevor 2015 mit einem Zuwachs von 0,5 TWh eine deutlich stärkere Ausbauphase begann. Weitere Steigerungen folgten 2016, 2017 und 2019 sowie 2020 mit 0,2 TWh. Besonders erfreulich war der Sprung um 1,2 TWh im Jahr 2021, gefolgt von weiteren 0,3 TWh im Jahr 2022. Im Jahr 2023 blieb die Wasserkrafterzeugung hingegen unverändert – nach den kräftigen Fortschritten der Vorjahre ein Anlass, den Ausbau sauberer Stromerzeugung wieder zu beschleunigen.
















