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Um die Elektrizität in Taiwan vollständig zu dekarbonisieren, muss der Anteil der kohlenstoffarmen Stromproduktion verzehnfacht werden!

Der Winter wird milder, der Sommer wird heißer, und Naturkatastrophen nehmen zu – der Klimawandel ist längst keine Theorie mehr. Um das Klima zu schützen, muss weltweit der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt werden, und das gilt auch für Taiwan. Die Regierung hat das Ziel gesetzt, bis 2050 net-zero Emissionen zu erreichen. Einer der wichtigsten Schritte dafür ist die vollständige Dekarbonisierung der Stromerzeugung, das heißt, dass in Zukunft kein Strom erzeugt wird, der CO2 ausstößt.

Taiwans Wirtschaft wird sich weiterhin entwickeln, und mit der weiteren Elektrifizierung von Verkehr und Industrie wird der Stromverbrauch weiter steigen. Laut den Daten der Nationalen Entwicklungsbehörde wird der Stromverbrauch in Taiwan bis 2050 etwa 4275 bis 5731 TWh betragen (2022 waren es 2881 TWh).

Angesichts einer Verdopplung des Stromverbrauchs stellt sich die Frage, wie viel kohlenstoffarmer Strombedarf bis 2050 gedeckt werden muss, um das Ziel 100% kohlenstoffarmer Strom zu erreichen. Im Jahr 2022 produzierten kohlenstoffarme Energien nur 51 TWh. Ein Mindestverbrauch von 4275 TWh bedeutet, dass kohlenstoffarmer Strom um das 8,4-Fache (4275 / 51) erhöht werden muss; die Maximalprognose bedeutet eine Erhöhung um das 11,3-Fache (5731 / 51). Unabhängig von der Prognose kann man vereinfacht sagen, dass kohlenstoffarmer Strom ungefähr um das Zehnfache ansteigen muss.

Wie kann diese Verzehnfachung des kohlenstoffarmen Stromes erreicht werden?

Jede Technologie kann sich in Zukunft weiterentwickeln. Doch wir können auf Basis der aktuellen Erzeugungsszenarien der verschiedenen kohlenstoffarmen Energien abschätzen, welche Menge nötig sein wird, um die steigende Nachfrage zu decken. Andere Technologien wie die CO2-Abscheidung oder Speicherlösungen sind komplexer zu berechnen und werden hier nicht berücksichtigt.

Wenn der gesamte Bedarf allein durch Solarenergie gedeckt würde, müsste die Solarstromerzeugung um das 42,3-Fache steigen. Es wird geschätzt, dass etwa 12% der taiwanesischen Landesfläche für Solaranlagen benötigt würden.

Sollte ausschließlich auf Kernenergie gesetzt werden, müsste die Nuklearstromerzeugung um das 19,6-Fache steigen. Dies entspräche dem Bau von 28 neuen Kernkraftwerken des Typs der dritten Generation.

Bei ausschließlich auf Offshore-Windkraft gesetzter Strategie wären 31.304 zusätzliche Windturbinen erforderlich, was 1491 aktuellen Offshore-Windparks entspricht.

Angesichts des gewaltigen Ziels einer Verzehnfachung des kohlenstoffarmen Stroms kann Taiwan nicht auf eine Technologie verzichten: Solarenergie, Kernkraft und Windkraft sind alle gefragt.

Berechnungsmethoden

Solarenergie

Die Solarstromerzeugung in Taiwan betrug 2022 10,68 TWh. Bis 2050 wird ein Gesamtbedarf an kohlenstoffarmer Energie von 491,33 TWh prognostiziert. Angenommen, andere kohlenstoffarme Energien (ausgenommen Solarenergie) bleiben konstant (51 - 10,68 = 39,99 TWh), ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf an Solarenergie von 451,35 TWh (491,33 - 39,99). Dies bedeutet eine Steigerung um das 42,3-Fache (451,35 / 10,68).

Am Beispiel des Solarparks in Tainan, der eine Fläche von 214 Hektar umfasst, wurden 2022 etwa 0,22 TWh erzeugt. Dies entspricht 0,01033 TWh/Jahr pro Hektar. Bis 2050 wären somit rund 43.705 Hektar Fläche zusätzlich nötig, was bedeutet, dass etwa 12,36% der taiwanesischen Landesfläche für Solarstrom reserviert sein müssten.

Kernenergie

Die Kernenergieerzeugung in Taiwan betrug 2022 23,76 TWh. Bis 2050 wird ein Gesamtbedarf an kohlenstoffarmer Energie von 491,33 TWh prognostiziert. Bei konstantem Anteil anderer kohlenstoffarmer Stromquellen (51 - 23,76 = 26,91 TWh) läge der zusätzliche Bedarf für Kernenergie bei 464,43 TWh (491,33 - 26,91). Dies entspricht einer Steigerung um das 19,6-Fache (464,43 / 23,76).

Das dritte KKW in Taiwan produzierte 2022 etwa 16 TWh Strom. Um bis 2050 die benötigten Mengen zu decken, müssten 29 solcher Kraftwerke errichtet werden.

Windkraft

Die Windenergieerzeugung in Taiwan betrug 2022 3,54 TWh. Der Bedarf bis 2050 wird auf 491,33 TWh kohlenstoffarmer Strom geschätzt. Bei konstanten anderen kohlenstoffarmen Stromquellen (51 - 3,54 = 47,12 TWh) wäre der zusätzliche Bedarf an Windenergie 444,22 TWh (491,33 - 47,12). Dies entspricht einer Erhöhung um das 125,4-Fache (444,22 / 3,54).

Ein Offshore-Windpark wie Phase 1 Offshore hat 21 Windturbinen, die 2022 etwa 0,30 TWh produzieren. Bis 2050 wären demnach 31.054 zusätzliche Turbinen erforderlich.

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